FRIEDENSBEWEGUNG / Alternativer Nobelpreisträger in Ulm
Der Pace-Zaun ist zurückgekehrt


Der Pace-Zaun wird enthüllt. Von links: HdB-Chef Pfarrer Volker Metelmann, Prof. Hans-Peter Dürr, Reinhold Thiel sowie Prof. Ulrich Gottstein, Ehrenvorstandsmitglied der IPPNW. FOTO: MATTHIAS KESSLER
 
Der bunte Pace-Zaun für den Frieden ist nach einer Rundreise durch Deutschland nach Ulm zurückgekehrt: Jetzt steht er vor dem Haus der Begegnung.
 
JÜRGEN BUCHTA
 
Als Reaktion auf den Irakkrieg ist im April vergangenen Jahres ein Stück Bauzaun entlang der Neuen Straße mit den Regenbogen-Farben der Friedensfahne "Pace" bemalt worden. Dieser Zaun wurde Teil einer Wanderausstellung; in vielen Städten war er zu sehen.
 
Vertreter der Initiative "Internationale Ärzte in sozialer Verantwortung" (IPPNW) haben ihn nach seiner Rückkehr nach Ulm am Freitagabend vor dem Eingang zum Haus der Begegnung feierlich "enthüllt". Reinhold Thiel, Sprecher der Ulmer Ärzteinitiative, stellte nochmals die Leistungen von Elke Groezinger und Markus Schwarz beim Vertrieb der "Pace"-Fahnen heraus. Er rechne damit, dass die Fahnen-Aktion 80 000 bis 100 000 Euro erbringe, sagte Thiel. Geld, das für die Behandlung von Kindern in Bagdad, aber auch von irakischen Kindern in deutschen Kliniken dringend benötigt werde.
 
Ehrengast bei dieser Veranstaltung und Festredner bei der anschließenden Auftaktveranstaltung zur Jahrestagung der IPPNW-Deutschland in Ulm war Prof. Hans-Peter Dürr. Dürr promovierte als Kernphysiker bei Edward Teller, dem Vater der Wasserstoffbombe. Später war Dürr Direktor des Max-Planck-Instituts für Physik und des Werner Heisenbergs-Instituts für Physik in München. 1987 wurde er mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.
 
Von 1985 bis 91 arbeitete Dürr im Vorstand von Greenpeace Deutschland. Ferner ist er Gründungsmitglied von Global Challenges Network, einem Verein, der sich "global denken, vernetzt handeln" zur Aufgabe gemacht hat.
 
Dürr sagte, dass es heute keine "gerechten Kriege" mehr gebe. Moderne Kriege seien nichts anderes als Massaker. Kriege dürften keine Rolle bei der Lösung der anstehenden Probleme spielen.
 
Die Menschheit leide heute nicht nur unter den Massenvernichtungswaffen, deren Anzahl trotz Abrüstung ausreiche, um die Erde zigmal in eine Wüste zu bomben. Sie leide auch unter einer "immensen geistigen Krise". "Wir sind aufgefordert, die sechs Milliarden Menschen auf der Erde an etwas zu erinnern, was sie schon lange wissen", sagte Dürr: Dass sich die Menschen in der Nutzung der natürlichen Ressourcen endlich mäßigen müssen. Andernfalls fege die Natur, die seit 3,5 Milliarden Jahren die Entwicklung auf unserem Planeten bestimmt, sie einfach hinweg.

 
 

Erscheinungsdatum: Montag 29.03.2004
Quelle: http://www.suedwest-aktiv.de/

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